Montag, 26. März 2012


Wahrheit - Gedankensplitter 


1.
Die Frage nach der Wahrheit?  Gähn - Ein Jahrtausende alter Hut. Jeder hat seine eigene Wahrheit.

Es ist dir also egal, ob das, was du sagst und denkst und von dem du überzeugt bist, auch wahr ist?

Mir reicht es, wenn es in sich schlüssig ist - und andere überzeugt. Die Frage nach der Wahrheit ist eine metaphysische Frage, und metaphysischen Fragen sind insgesamt Unsinn, so ist die Wahrheitsfrage reine Zeitverschwendung. Eine allgemeingültige Wahrheit gibt's nun einmal nicht, basta.

Womit du eine allgemein gültige, also metaphysische Aussage über die (Un-)Gültigkeit von Wahrheit triffst und gleichzeitig davon ausgehst, dass deine Aussage wahr ist, nicht wahr?

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2.
Mich beschäftigt das sog. Thomas-Theorem (1928):  „Wenn eine Aussage für wahr gehalten wird, dann ist sie wahr in ihren Konsequenzen.“ Was heißt das: Wahr sein in den Konsequenzen?

Ich denke, im zweiten Teil des Satzes steht "wahr" für "wirklich“, d. h.: Was wir mehr oder weniger bewusst für wahr halten, tragen wir jeden Tag  sichtbar, hörbar, spürbar nach außen in die Welt. In diesem Sinne sind unsere persönlichen, subjektiven "Wahrheiten" alles andere als belanglos; sie haben wirkliche Konsequenzen, schaffen immerzu Fakten.

Im Extremfall ballert also jemand um sich, nur weil er seiner  eigenen "Wahrheit" folgt? Ein ungemütlicher Gedanke.

Ballern wir nicht ständig um uns, wenn jemand unserer eigenen Wahrheit in die Quere kommt, nur ein bisschen subtiler?  

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3.
Jean-Paul Sartre sagt: 

Wenn die Wahrheit nicht leben darf, sei das System tote Wahrheit, und die Welt nichts als das. Der Reichtum wäre Armut.

Die Freude kommt von der offenen Wahrheit; selbst wenn ich die Welt in ihrer Totalität verstanden hätte,  bliebe sie dennoch ganz und gar zu verstehen.

Denn wenn die Wahrheit angehalten würde, wäre sie gegeben, und die Freiheit müsste der Passivität Platz machen.                                                                                        
                                                             
(Da Zitate nicht ohne weiteres erlaubt sind, habe ich die indirekte Form gewählt; nachzulesen in Wahrheit und Existenz, Rowohlt 1996)

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... Wird fortgesetzt.



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s. auch in diesem Blog:

I. Der Logische Empirismus und die Frage nach der Wahrheit
     Teil 1: Was der Logische Empirismus aus der Wahrheitsfrage macht

     Teil 2: Tarskis semantischer Lösungsversuch der Wahrheitsproblematik

II. Wahrheit im Schnee - eine kleine Geschichte (M.R.)  

III. Was ist Metaphysik - wozu soll sie nützlich sein?



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